
Blockchain Akzeptanz: Wie weit sind wir wirklich?
Wie weit ist die Blockchain vorangeschritten oder wie tief ist sie bereits in den Köpfen von uns verankert? Im Jahr 1962 hat Everett Rogers seine Theorie zur „Entscheidung zur Innovation“ vorgestellt und damit ein Akzeptanzmodell neuer Prozesse und Produkte etabliert. BWL- oder Marketing-Studenten werden sich im Laufe ihrer Studienzeit intensiv mit derartigen Modellen auseinandersetzen und kennen daher Begrifflichkeiten wie „early adopter“ oder „laggard“ aus dem Lehrbuch.

Neuerungen werden demnach erst langsam von den „innovators“ und den „early adopters“ (die insgesamt nur 16% der Bevölkerung ausmachen) angenommen: Dabei handelt es sich um diejenigen Menschen die furchtlos Chancen und Möglichkeiten erkennen, bevor sie überhaupt da sind. Experimentierfreudige und aufgeschlossene Individuen, die bereit sind gewisse Risiken in Kauf zu nehmen und den gegenwärtigen Zustand mit verändern möchten. Nach Ihnen wird die Akzeptanz einer Innovation beschleunigt und immer mehr Menschen befassen sich damit, exponentielles Wachstum findet statt und sowohl die „early-“ als auch die „late majority“ befassen sich mit neuen Produkten, Services oder Dienstleistungen. Den Schluss bilden die „laggards“, eine risikoscheuende Gruppe der Bevölkerung, die eine Veränderung meist erst dann annimmt, wenn kein Weg mehr daran vorbei führt. Nach diesem Stadium hat eine Innovation die Bevölkerung durchdrungen, ist als Standard akzeptiert. Dieses Modell lässt sich auf jede Neuerung in der Weltgeschichte anwenden: Denken Sie beispielsweise an den Aufstieg von Apples iPhone (anfangs ein spaciges Tech-Gadget, heute das Sinnbild für moderne Kommunikation) oder die Einführung (und auch Abschaffung) der Sklaverei.
Aber wo steht die Blockchain aktuell?
Wo also finden wir die Blockchain-Technologie aktuell auf dieser Kurve? Einige sehen sie bereits in der „early majority“ Phase, in der exponentielles Wachstum stattfindet und ein rasanter Anstieg der Nutzung zu verzeichnen ist. Meiner Meinung nach lohnt es sich, zwei wesentliche Aspekte gesondert zu beurteilen: Investment und Technologie.
Auf der Investment Seite kann man getrost behaupten an einen Punkt angekommen zu sein, den man in der Kurve als „early majority“ bezeichnet. Immer mehr Kapital fließt in Kryptowährungen und Blockchain Technologien, dabei investieren private Anleger und institutionelle Investmentfirmen gleichermaßen in den zunehmenden Boom von Tokens und Coins. Alleine im Jahr 2017 hat sich die Marktkapitalisierung, also alles in Kryptowährungen investierte Geld, von 18 Milliarden auf über 500 Milliarden US-Dollar aufgeblasen. Coinbase, eine der beliebtesten Plattformen zum Kauf von Bitcoins und Ethereum, vermeldete zuletzt seinen 10 millionsten Benutzer und die App wurde zur am häufigsten geladenen Anwendung der USA im App Store.
Aber auch die Börsen außerhalb von Europa und den USA haben ein rasantes Wachstum hinter sich: Online Wallets und Portfolio Tracking Webseiten wie imToken (China) oder CoinManager (Korea) verzeichneten rekordverdächtige Zuwächse. In Korea, einem der stärksten Märkte für Kryptowährungen, investiert jeder dritte Mensch mit Einkommen in Bitcoin oder anderen Kryptowährungen. Es gibt mittlerweile BitcoinFutures an bekannten Börsen zu kaufen, mehr als 2.000 Bitcoin-Automaten weltweit und und und. Die Zeichen stehen auf „Boom“.
Doch wo steht die Technologie?
Bei der technologischen Betrachtung stehen wir trotz all den oben aufgeführten Signalen aber weit hinter einer derartigen Marktdurchdringung. Doch wie kommt es zu so einer Lücke? Vorerst muss man konstatieren, dass ein erheblicher Mangel an Fachleuten zu diesem Thema herrscht, es gibt einfach nicht genügend Blockchain-Entwickler. Selbst gestandene Unternehmen haben es schwer entsprechende Fachleute, die dringend benötigt werden, anzustellen. Darüber hinaus bestehen schlichtweg noch einige wenige Defizite in der Entwicklung, die dringend beseitigt werden müssten, um die Technologie in ihrer gesamte Breite Massenmarkt tauglich zu machen, die größte Herausforderung: Die Skalierbarkeit. Blockchain Netzwerke sind noch immer nicht in der Lage die zu erwartenden Transaktionsvolumen zu stemmen, die aber notwendig werden, um etablierten und traditionellen Finanzinstitutionen (wie Visa, PayPal oder anderen) Konkurrenz zu machen. Ohne eine verbesserte Skalierbarkeit werden Transaktionskosten und Bearbeitungszeiten schlichtweg in schwindelerregende Höhen steigen, was die Technologie irgendwann uninteressant erscheinen lassen wird.
Die zunehmende Anzahl an Blockchain Unternehmen wird den Druck auf die Technologie erhöhen und es Bedarf weiterer Verbesserungen. Aber es ist Licht am Ende des Blockchain Tunnels zu erkennen: Neue Projekte wie das Raiden Netzwerk, Plasma, Zilliqa, oder das Lightning Netzwerk stecken in der Pipeline und werden nach und nach ausgerollt. Meiner Meinung nach findet sich der technologische Aspekt also in der „early adopter“ Phase wieder, wenn nicht sogar im Segment der „innovators“.
Das Problem ist eine wachsende Kluft
Es lässt sich also ein erhebliches Problem herauskristallisieren: Die Kluft zwischen der Investment- und der Technologie-Sparte wird immer größer und beide Seiten driften zunehmend auseinander. Sollten die Investments weiter derart zunehmen, aber nicht mehr Geld in die Verbesserung der Technologie fließen, werden wir eine signifikante Überbewertung von Kryptowährungen erleben – und zwar eher als es uns lieb sein dürfte. Ja, der Markt hat ein Volumen von über einer halben Billionen Dollar erreicht, aber wie hat es Ethereum Erfinder Vitalik Buterin so schön gefragt: „Haben wir das verdient?“ Wir brauchen mehr Bildung im Blockchain Bereich, Studiengänge die sich dem Thema verschreiben, mehr Pioniere für eine verheißungsvolle Zukunft einer bahnbrechenden Technologie. So wird es möglich mehr Substanz hinter die innovative Idee von Blockchain und Kryptowährungen zu packen und ein solides Fundament für ein verheißungsvolles Wachstum zu schaffen.




